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Gläser aus dem Kit Benvenuto von Minnelea mit sichtbaren Etiketten

Gute Marmelade erkennen: sechs Dinge, die auf dem Etikett stehen

Im Regal sehen alle Gläser gleich aus. Rotes Fruchtstück auf dem Etikett, ein Wort wie „fein“ oder „traditionell“, ein Preis zwischen 2 und 9 Euro. Der Unterschied steht nicht auf der Vorderseite — er steht klein auf der Rückseite, und seit dem 14. Juni 2026 steht dort mehr als vorher.

Diese sechs Angaben reichen, um ein Glas einzuordnen, ohne es zu öffnen.

1. Der Fruchtgehalt: „Hergestellt aus … g Früchten je 100 g“

Diese Zeile ist Pflicht und die aussagekräftigste Zahl auf dem ganzen Etikett. Seit dem 14. Juni 2026 gelten in Deutschland neue Mindestwerte:

Kategorie bis 13.06.2026 seit 14.06.2026
Konfitüre / Marmelade 350 g je kg 450 g je kg
Konfitüre extra 450 g je kg 500 g je kg

Umgerechnet auf die Angabe im Kleingedruckten: 45 beziehungsweise 50 Gramm Frucht je 100 Gramm Fertigprodukt. Das ist das Minimum, nicht das Ziel.

Manche Gläser tragen Werte über 100 — bei uns etwa 130 g je 100 g. Das ist kein Druckfehler. Die Angabe bezieht sich auf die eingesetzte Fruchtmenge: Weil beim Kochen Wasser verdampft, kann für 100 Gramm fertige Konfitüre mehr als 100 Gramm frische Frucht nötig gewesen sein. Je höher die Zahl, desto stärker war die Frucht konzentriert und desto weniger musste Zucker die Masse tragen.

Was in unseren Gläsern steht

Sorte Frucht je 100 g Zucker je 100 g
Erdbeerkonfitüre 130 g 39,4 g
Heidelbeerkonfitüre 130 g 47 g
Feigenkonfitüre (Dottato) 88 g 51 g
Zitrusmarmelade Orange & Zitrone 86 g 37 g

2. Die Zutatenliste: Länge zählt

Marmelade braucht drei Dinge: Frucht, Zucker, Säure. Alles darüber hinaus ist eine Entscheidung, und jede dieser Entscheidungen hat einen Grund.

  • Pektin — sorgt für Konsistenz bei kürzerer Kochzeit oder geringerem Fruchtanteil.
  • Verdickungsmittel (z. B. Johannisbrotkernmehl) — dasselbe Ziel, anderer Weg.
  • Zitronensäure als Zusatzstoff — ersetzt frischen Zitronensaft, ist billiger und standardisierbar.
  • Aroma — gleicht aus, was beim Kochen verloren ging.
  • Farbstoff — gleicht aus, was beim Kochen dunkel wurde.
  • Konservierungsstoffe — bei ausreichend Zucker und heißer Abfüllung nicht nötig.

Zum Vergleich eine vollständige Zutatenliste aus unserem Sortiment: Weiße Dottato-Feigen aus dem Cilento, Rohrzucker, Zitronensaft, Vanilleschote in Infusion. Vier Positionen, keine davon ein Zusatzstoff.

3. Die Herkunft — seit Juni 2026 Pflichtangabe

Neu ist, dass die Herkunftsländer der Früchte auf dem Etikett stehen müssen, in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Vorher genügte in vielen Fällen die Sammelangabe „EU / Nicht-EU“.

Diese Änderung macht sichtbar, was vorher unsichtbar war. Ein Glas, dessen Frucht in vier Ländern eingekauft wurde, liest sich anders als eines mit einem einzigen Herkunftsland. Je kürzer und konkreter die Angabe, desto kürzer war der Weg der Frucht.

4. Die Bezeichnung: was seit Juni 2026 gilt

Lange durfte in Deutschland nur Zitrusaufstrich „Marmelade“ heißen, alles andere hieß Konfitüre. Mit der EU-Richtlinie 2024/1438 ist das aufgehoben: Seit dem 14. Juni 2026 dürfen alle Fruchtaufstriche als Marmelade bezeichnet werden. Im Gegenzug müssen Zitrusprodukte als Zitrusmarmelade gekennzeichnet werden.

Für die Qualitätsbeurteilung heißt das: Die Bezeichnung auf der Vorderseite sagt seit Juni 2026 noch weniger aus als vorher. Der Zusatz „extra“ bleibt dagegen aussagekräftig — er ist an einen höheren Mindestfruchtgehalt und an nicht konzentriertes Fruchtmark gebunden.

Und die dritte Kategorie: Fruchtaufstrich ist gesetzlich nicht definiert. Der Begriff steht meist auf Produkten, die die Mindestwerte für Konfitüre nicht erreichen — etwa stark zuckerreduzierte oder mit Süßungsmitteln gesüßte Erzeugnisse. Das muss nichts Schlechtes bedeuten, sagt aber nichts Gutes von allein.

5. Die Nährwerttabelle: „davon Zucker“ ist die Zeile, die zählt

Der Zuckerwert in der Nährwerttabelle umfasst den zugesetzten Zucker und den Fruchtzucker. Bei klassischer Konfitüre liegt er oft um 60 g je 100 g, bei fruchtbetonten Rezepturen deutlich darunter.

Ein niedriger Wert allein ist noch kein Qualitätsmerkmal — entscheidend ist, wodurch er niedrig ist. Weniger Zucker bei gleichbleibender Konsistenz bedeutet entweder mehr Frucht, ein längeres oder schonenderes Verfahren, oder ein Geliermittel. Lesen Sie die Zuckerzeile deshalb immer zusammen mit der Zutatenliste und dem Fruchtgehalt.

Ohne eigenen Einkochtag: italienische Konfitüren kaufen, direkt beim Erzeuger.

6. Das Verfahren — wenn es genannt wird

Kein Hersteller muss angeben, wie gekocht wurde. Wer es tut, hat meist einen Grund. „Im offenen Kessel“, „im Kupferkessel“, „im Vakuum bei niedriger Temperatur“: Das sind überprüfbare Verfahrensangaben und keine Stimmungswörter.

Wörter ohne rechtliche Bedeutung sind dagegen: fein, traditionell, nach altem Rezept, Manufaktur, Großmutters Art. Sie dürfen von jedem verwendet werden. Ein Sonderfall sind „hausgemacht“ und „selbstgemacht“: Diese Begriffe stehen für die Herstellung im Privathaushalt und dürfen für gewerblich produzierte Ware in Deutschland nicht verwendet werden. Steht es trotzdem auf einem gekauften Glas, ist das ein Warnsignal für den Umgang des Herstellers mit Angaben insgesamt.

Die Kurzfassung für vor dem Regal

  1. Rückseite drehen, Zeile „Hergestellt aus … g Früchten je 100 g“ suchen.
  2. Zutatenliste zählen. Mehr als fünf Positionen: nachsehen, warum.
  3. Nach Pektin, Verdickungsmittel, Aroma, Farbstoff suchen.
  4. Herkunftsangabe lesen — ein Land oder eine Liste?
  5. „davon Zucker“ mit dem Fruchtgehalt zusammen lesen.
  6. Preis gegenrechnen. Handgeerntete Frucht in kleinen Chargen kostet mehr als 2,50 € pro Glas.

Häufige Fragen

Wie viel Frucht muss in Marmelade sein?

Seit dem 14. Juni 2026 mindestens 450 g je Kilogramm, bei der Kategorie „extra“ mindestens 500 g je Kilogramm. Vorher lagen die Werte bei 350 beziehungsweise 450 g je Kilogramm.

Was bedeutet „Konfitüre extra“?

Eine gesetzlich definierte Kategorie mit höherem Mindestfruchtgehalt, die aus nicht konzentriertem Fruchtmark hergestellt wird. Im Gegensatz zu Werbebegriffen wie „fein“ oder „traditionell“ ist „extra“ überprüfbar.

Warum steht auf manchen Gläsern mehr als 100 g Frucht je 100 g?

Weil sich die Angabe auf die eingesetzte Fruchtmenge bezieht. Beim Kochen verdampft Wasser, deshalb können für 100 g Fertigprodukt mehr als 100 g frische Frucht nötig gewesen sein.

Ist Fruchtaufstrich schlechter als Konfitüre?

Nicht zwangsläufig, aber der Begriff ist gesetzlich nicht definiert. Er wird meist für Erzeugnisse verwendet, die die Mindestanforderungen an Konfitüre nicht erfüllen — etwa stark zuckerreduzierte Varianten. Die Beurteilung muss über Zutatenliste und Fruchtgehalt laufen.

Darf gekaufte Marmelade „hausgemacht“ heißen?

Nein. „Hausgemacht“ und „selbstgemacht“ bezeichnen die Zubereitung im Privathaushalt. Für gewerblich hergestellte Ware sind sie in Deutschland irreführend. Korrekt sind Angaben wie handgemacht, handwerklich hergestellt oder aus der Manufaktur.

Braucht Marmelade Konservierungsstoffe?

Bei ausreichendem Zuckeranteil und heißer Abfüllung in sterile Gläser nicht. Konservierungsstoffe in der Zutatenliste sind ein Hinweis auf ein anderes Herstellungsverfahren.

Kit Benvenuto mit sechs Gläsern aus der Manufaktur Minnelea
Etiketten zum Nachlesen
Kit Benvenuto — 6 Gläser aus der Manufaktur
Drei bis vier Zutaten je Glas, Herkunft Cilento, ohne Konservierungsstoffe und ohne zugesetztes Pektin.
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